Cod. 45 (A) Lucanus: De bello civili; Dracontius: Orestes; Hyginus: De astronomia; Figurae Graecorum, lat., 0834 (ca.)-0866 (ca.) (Codex Produktionseinheit)

Archive plan context


Identifikation sachlich

Ref. code:Cod. 45 (A)
Title:Lucanus: De bello civili; Dracontius: Orestes; Hyginus: De astronomia; Figurae Graecorum, lat.
Contains also:Lucanus: De bello civili; Dracontius: Orestes; Hyginus: De astronomia; Figurae Graecorum, lat.
Blattzählung:Moderne Foliierung: I, 1-60
Format:36-36,5 x 25,5 cm, unregelmässige Blattränder
Language:Latein

Buchblock

Creation date(s):ca. 0834 - ca. 0866
Creation date(s), scattered dates:Feindatierung: 9. Jh., 2. Drittel (Bischoff, 1998); 10./11. Jh. (Pellegrin, zu spät)
Entstehungsort:Frankreich: Fleury (de Meyier und Bischoff und Homburger); Saint Germain? (laut Notiz von Chr. v. Steiger in seiner Kartei)
Material / Beschreibstoffe:Pergament
Material / Beschreibstoff Anm.:Ungleichmässiges Pergament
Lagen:A) 1 Bl.{I}[altes Vorsatzblatt: quer eingebundenes Doppelblatt (35 x 24 cm, ursprüngliche Grösse eines Blattes ca. 25 x 17,5 cm) einer liturgischen Pergament-Handschrift, 13./14. Jh., rote Titel, abwechselnd rote und blaue kleine Initialen, in der Gegenfarbe verziert, mit Musiknoten (kleine Quadratnotation) auf 4 roten Notenlinien].
B) (V-1){9}[letztes Blatt weggeschnitten] + 5 IV{49} + (V+1){60}[von f. 60 nur die innere Blatthälfte vorhanden, wohl später der Lage hinzugefügt]. Lagensignaturen: Römische Zahlen, mit Punkten verziert, jeweils auf dem letzten verso; noch erkennbar II (f. 17v) und Q V (f. 33v).
Seiteneinrichtung:Zweispaltig, Schriftspiegel 27,5-28,5 x 20-21 (9,5-10) cm (f. 59: einspaltig, 26,5 x 19 cm), 39-40 Zeilen, Blindlinierung, Punktierung z.T. sichtbar. Scholien (bis f. 12va zahlreich, danach nurmehr spärlich) interlinear sowie rechts und links, teils auch oberhalb und unterhalb des Textes, oft bis an den Rand reichend.
Schrift / Schreiber:Karolingische Minuskel, vermischt mit kalligraphischer Halb-Unzialis. Die schöne Minuskel, die auf Fleury hinweist, erhält ihren Charakter durch die Rundungen und die kurzen Ober- und Unterlängen; bezeichnend sind das halbunziale a, das g, dessen Bogen nicht geschlossen ist, das tiefe, der anglo-irischen und der karolingischen Minuskel Englands verwandte r mit spitzwinklig ansetzendem Haken sowie verschiedene Ligaturen (ähnlich sind die rundlichen Schriften in Codd. 36, 277 und 338). Überschriften und Werkanfänge (f. 1v-2r, 52v, 59r) in roter Capitalis quadrata sowie in Unzialis, auf f. 1v Zeilen abwechselnd rot und schwarz; Incpits und Explicits der einzelnen Bücher sowie die Versanfänge in roter Rustica; ferner karolingische Notizschriften, Glossenschriften( gleichzeitig, die meisten wohl 10. Jh.), tironische Noten, Notazeichen; Federproben auf f. 60r in hervorragend schöner Unzialis.
Mehrere Schreiber, einige Schreiber mit kalligraphischen Qualitäten, vgl. f. 52vb-53vb, f. 53vb-59ra oben (2. Hand ab f. 53vb Z. 12 = Leiden, ms. Voss. lat. F 12 d, f. 37v-39, aus Fleury, laut Brief von de Meyier an Chr. v. Steiger vom 24.4.1970), Hyginus-Text f. 59r-v. - Glossator der späteren Bücher mit charakteristischer Glossenhand, mit ausschweifenden Initialen
Ausstattung / Buchschmuck:Prächtige Ausstattung der ersten Seite (f. 1v) durch die zwei grossen Flechtwerkinitialen I (Höhe 19cm, mit Entenköpfen) und B (Höhe 17 cm), die durch lichten Farbenakkord (Rot, helles Zitronengelb, blasses Grün) auffallen. Sie vertreten eine besondere Gattung insularer Zierkunst: abgesehen von dem auf beiden Seiten des Kanals geläufigen Geflecht, das kettenartig das Innenfeld der Leisten füllt und an den Enden der Buchstaben in der Form eines kräftig schwarz gezeichneten Knotenwerkes auftreten, sei auf die zoomorphen und vegetabilen Motive der unzialen B-Initiale hingewiesen, die in dieser Vereinigung anscheinend singulär sind. An seinem inneren Ende läuft dieser Buchstabe in einen Tierkopf aus, der mit den in Voluten endigenden, straffabgespteizten Ohren, den riesengrossen, sichelförmig gerahmten Pupillen, dem rüsselartigen Maul aus dem Formenvorrat der altenglisch-irischen Kunst schöpft, aber verwandte Gebilde an Phantasie und Kraft der Stilisierung übertrifft. Für den englischen Stil des 9. Jh. ist das ganzfigurige Tier mit dem naturalistisch gestalteten Körper und der langgestreckten Schnauze charakteristisch, das, im Laufe dargestellt, den breitesten Teil des anschwellenden Buchstabenkörpers füllt. Von besonderer Bedeutung ist das ihn umgebende Rankengeflecht, dessen rote und hellgrüne Stiele in kelchartige Gebilde endigen.
Einfache erklärende Schemata zum Text: f. 28ra Schema zur Geographie von Thessalien, in den fünf umgebenden Kreisen sind die Gebirge Pelion, Ossa etc. genannt; f. 41rb Viergeteilte O-Karte, oben links Europa; f. 44v ist am inneren Rand, neben Vers 9,407-409, eine T-O-Karte sorgfältig in roter Farbe gezeichnet: ausser den Namen der drei Erdteile hat der Schreiber diejenigen der vier Winde, der Flüsse Tanais und Nil sowie der Stadt Gades angegeben. Zur Verzierung sind in die rechten Winkel des T je drei abstrakte Blättchen in Rot und Schwarz eingefügt, wie sie in der englischen Kalligraphie vom 10. Jh. ab so beliebt sind. Dem entspricht im Stil ein rotgezeichnetes Verweiszeichen (?) auf dem Rand von f. 45r.
Spätere Zusätze:Gleichzeitige oder wenig spätere Nachträfe; Federproben (15. Jh.) f. 16v, 22r, 46r
Zahlreiche Annotationen von Pierre Daniel (um 1560): f. 4v, 7r, 15v, 17r-18v, 20v-22r, ab 23v auf fast jeder Seite; Buchzählung jeweils oben auf dem recto.

Weitere Angaben

Person:Fleury (F), Benediktinerkloster Saint-Benoît-sur-Loire
Bibliographie:Bischoff (1998); S. 104 (Nr. 494)
Gotoff (1971); S. 15-16
Homburger (1962); S. 99-100, Taf. 7
Mostert (1989); S. 50 (Nr. 26-27)
Munk Olsen (1982-87); Bd. 2, S. 28; Bd. 3.1, S. 107
Tironianorum index (Internet); http://www.martinellus.de/index/indexti.htm
Viré (1981); S. 164, 212–213
 

Descriptors

Entries:  Munk Olsen (1982-87) (Bibliographie/Nachschlagewerke\M)
  Tironianorum index (Internet) (Bibliographie/Nachschlagewerke\T)
  Mostert (1989) (Bibliographie/Nachschlagewerke\M)
  Homburger (1962) (Bibliographie/Nachschlagewerke\H)
  Bischoff (1998) (Bibliographie/Nachschlagewerke\B)
  Fleury (F), Benediktinerkloster Saint-Benoît-sur-Loire (Personen\Juristische Personen\F)
  Gotoff (1971) (Bibliographie/Nachschlagewerke\G)
  Viré (1981) (Bibliographie/Nachschlagewerke\V)
 

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