Cod. AA 91 (A) Wolfram v. Eschenbach: Parzival, dt., 1467 (Codex Produktionseinheit)

Archive plan context


Identifikation sachlich

Ref. code:Cod. AA 91 (A)
Title:Wolfram v. Eschenbach: Parzival, dt.
Contains also:Wolfram v. Eschenbach: Parzival, dt.
Blattzählung:Moderne Foliierung mit Bleistift in der rechten oberen Ecke der Rectoseiten: I, 1–180.
Format:31 x 21,5 cm
Language:Deutsch

Buchblock

Creation date(s):1467
Creation date(s), scattered dates:Datiert: 27. Januar 1467; vgl. das Schreiberkolophon auf f. 176rb: 'Explicit barczifal 3a ante purificacionis marie Anno etc. lxvijo per me Joh. Stemhein de Constancia.' Die Notiz besagt, dass der Schreiber Johann Stemhein (oder Steinhein, vielleicht auch Stemheim, Steinheim) aus Konstanz die Abschrift am Dienstag vor dem Fest Mariae Reinigung (2. Februar) des Jahres 1467 fertig gestellt hat. Die Datierung setzt voraus, dass sich die Ziffer 3a auf lateinisch 'feria' (die Bezeichnung für den Wochentag) bezieht; falls sie sich auf lateinisch 'dies' (die Bezeichnung für den Tag) bezieht, wäre Freitag, der 30. Januar, anzusetzen.
Die Jahreszahl 1467 erscheint auch auf f. Iv und f. 176rb bei Besitzeinträgen Jörg Friburgers, des vermutlichen Auftraggebers der Handschrift; sie ist jedoch in beiden Einträgen aus 1468 korrigiert worden (siehe unten Provenienz). Die Korrekturen könnten mit der zeitnah nach der Niederschrift erfolgten Illustrierung des Manuskripts zusammenhängen, mit der Absicht, eine Kohärenz mit dem Schreiberkolophon herzustellen und Friburgers sofortigen Erwerb zu suggerieren.
Entstehungsort:Vermutlich Bodenseeraum: Konstanz; vgl. das Schreiberkolophon auf f. 176rb.
Material / Beschreibstoffe:Papier
Material / Beschreibstoff Anm.:Papier, 2°, verschiedene Ochsenkopfwasserzeichen, von denen ein Paar kleiner Ochsenköpfe mit Stange und Tau für die Jahre 1464 bis 1474 in den Papiermühlen von Basel, Breisach und Eppstein im Taunus in Gebrauch war (verwendet in den Lagen 3–11, 13–15). Zwei weitere Wasserzeichen, ein Paar grosser Ochsenköpfe sowie ein kleiner Ochsenkopf mit Ring auf Blatt I, konnten bislang nicht identifiziert werden. Auf Blatt 178r wurde ein im Papier vorhandenes Ochsenkopfwasserzeichen von einem Benutzer mit Tinte nachgezogen. Vgl. Lindt (1964), Tafel 129, Nr. 632–633, S. 178; Piccard (1966), Bd. 2, X, 208/209, S. 501 sowie Bürger (2002), S. 126.
Lagen:I{I}[Vorsatzblatt] + (VI-4){8} [Die ursprünglichen Blätter 1/12 und 3/10 sind verloren, s. unten Bemerkungen zum Inhalt] + 2 VI{32} + VIII{48} + 11 VI{180}. Reklamanten jeweils auf dem letzten Verso (in der 1. Lage fehlend). Blattzählung innerhalb der Lagen ab Lage 6: gotisch-arabische Ziffern 1–6.
Als Falzverstärkung in der Mitte, gelegentlich auch am äussersten Bogen der Lagen (z.B. f. 168v/169r) Verschnitt von drei oder vier gotischen Pergamenthandschriften, z.T. in Perlschrift (13./14. Jh.). Eine Handschrift ist senkrecht zum Text verschnitten, die anderen waagerecht; zwei oder drei (?) der Ursprungshandschriften waren einspaltig, eine zweispaltig. Die Falzverstärkungen finden sich f. Ir sowie zwischen Blatt 4v/5r, 26v/27r, 40v/41r, 150v/151r, 162v/163r, 174v/175r (hier Guilelmus Arvernus, Sermo 89, mit einem Zitat aus Paulus’ Galaterbrief 6,1: 'si praeoccupatus fuerit homo') und nach Bl. 180v; verdeckt zwischen Blatt 14v/15r, 54v/55r, 66v/67r, 78v/79r, 90v/91r, 102v/103r, 114v/115r, 126v/127r, 138v/139r.
Seiteneinrichtung:Zweispaltig; Schriftspiegel 23 x 16–17,5 (7–8) cm; 34–42 Zeilen; Kolonnen blind vorliniert, in der 8. Lage (f. 85r–96v) mit Tinte vorgezeichnet. Die Beschriftung erfolgte, ehe die Blätter illustriert und zu Lagen zusammengebunden wurden; vgl. hierzu den fälschlich auf f. 61v angebrachten und mit roter Tinte wieder durchgestrichenen Vers 355,12.
Schrift / Schreiber:Bastarda, geschrieben von Johannes Stemhein; vgl. das Schreiberkolophon f. 176rb (s. oben Entstehungszeit). Typische Kennzeichen der verwendeten Schrift sind die so genannten ‚Elefantenrüssel‘, d.h. verlängerte Zierstriche in anlautenden Buchstaben, die Schlussbögen am Ende der Wörter, die Schlingenbildung bei den Buchstaben b und w, die in bestimmten Abschnitten (bes. f. 73r–108v) zur Schräglage neigenden Schriftzüge sowie die Brechungen bei einzelnen Buchstaben wie w, h und r. Als Abbreviaturen erscheinen gängige Abkürzungszeichen wie Nasalstriche für n, Kürzel für er und r sowie die Form vnd für unde.
Ausstattung / Buchschmuck:Insgesamt 18 Grossinitialen von vier- bis achtzeiliger Höhe am Beginn von Abschnitten (gemäss Lachmann: ‚Bücher‘), nämlich: f. 34ra: Buch IV, 179,13; f. 43rb: Buch V, 224,1; f. 55va: Buch VI, 280,1; f. 68rb: Buch VII, 338,1; f. 80vb: Buch VIII, 398,1; f. 88rb: Buch IX, 433,1; f. 102va: Buch X, 503,1; f. 121ra: Buch XII, 583,1; f. 154vb: Buch XV, 734,1; f. 166ra: Buch XVI, 787,1. Weitere Grossinitialen finden sich am Beginn wichtiger Abschnitte wie z.B. des Kyot-Exkurses f. 92va: 453,1. Die gelegentlich verzierten (z.B. f. 34ra, 80vb) Initialen sind jeweils in der linken oberen Ecke des Lombardenfelds vorgezeichnet. Textgliedernde Funktion haben auch die ergänzend zu den Lombarden auftretenden Alinea-Zeichen; s.a. die Kombination von Alinea-Zeichen und Lombarde f. 50va: 256,1. Als weitere Auszeichnungsmittel begegnen rote, meist dreizeilige Lombarden mit und ohne Perlung sowie zweifarbige (rot/schwarz) Kadellen, d.h. Grossbuchstaben am Spaltenanfang, deren Schäfte und Bögen mit teilweise parallel laufenden und sich durchkreuzenden Strichen verziert sind. In ähnlichem Stil sind die mitunter in der letzten Zeile der Kolonnen bei einzelnen Buchstaben (häufig bei g) angebrachten Zierschleifen gehalten. Neben diesen rein dekorativen Auszeichnungen finden sich Rubrizierungen durch Strichelung.
Hinzu treten rotfarbige Bildanweisungen des Schreibers an den Illustrator; es lassen sich drei Typen von Bildüberschriften unterscheiden:
1. Eine knappe Anweisung, die punktuell eine Szene oder einen kurzen Handlungsablauf aus dem Erzählgeschehen angibt, z.B. f. 18v (Ill. 2): 'Hie gebirt die frow den barczifal Gahmuretes sun von dem dis bũch seit vnd sinen tetten.'
2. Eine Vorschrift, die sich auf einen grösseren Handlungszusammenhang bezieht und dem Illustrator daraus eine Auswahlmöglichkeit anbietet, z.B. f. 29v (Ill. 7): 'Hie wappnet Jwan den partzifal mit des Rotten Ritteres geczug vnd zoch im das pfãrt dar daruff er prang one stegreiff vnd reit en weg.'
3. Eine Instruktion, die sich an einer mehrteiligen Bildsequenz orientiert und deren Szenen ausdrücklich benennt, z.B. f. 8r (Ill. 1) 'Hie zucht Gahmuret úber mer Von siner frowen die was schwanger worden / vnd wie im ward der adamas en schwert zwo hossen.'
Bilder / Malerei / Maler:Bei den Illustrationen selbst handelt es sich um insgesamt 28 lavierte, meist mit schwarzer Tinte roh umrandete Federzeichnungen von einer Hand, wobei die Bildanweisungen vom Maler nicht immer konsequent umgesetzt werden. Häufig unterbrechen die Illustrationen den Text vor einem durch eine Initiale eingeleiteten Abschnitt (z.B. Ill. 6, 7, 13) oder sie stehen unterhalb eines Textblocks, dessen rechte Spalte mit einer Initiale beginnt (z.B. Ill. 1, 5, 12). Bei den Formaten der Bildszenen dominiert quantitativ ein Illustrationstypus im Querformat, der unter- oder oberhalb des zweispaltigen Textes am unteren oder oberen Seitenrand eingepasst ist. Insgesamt lassen sich Vierer- bzw. Achtergruppierungen erkennen: Die ersten vier Illustrationen behandeln Ereignisse aus der Vorgeschichte (Ill. 1) und aus Parzivals früher, in der Obhut der Mutter verbrachter Jugend (Ill. 2–4). Danach folgt eine Achtergruppe, die Parzivals ersten unbeholfenen Weg in die Aventiure-Welt zum Thema hat (Ill. 5–12); die Klammer bilden das Vergehen an Jeschute und der Sieg über deren Gatten Orilus, der die Versöhnung zwischen den Eheleuten einleitet. Je vier weitere Illustrationen sind der Blutstropfenszene (Ill. 13–16) und dem Empfang am Artushof (Ill. 17–20) gewidmet. Nach einer grösseren Pause folgen die Vierergruppen zur Gawan-Handlung (Ill. 21–24) sowie zur Begegnung mit Feirefiz und zur Gralberufung (Ill. 25–28).
Die einzelnen Illustrationen beinhalten folgende Motive: 1) f. 8r: Übergabe von Isenharts Rüstung (54,27; Buch I); 2) f. 18v: Parzivals Geburt (111,13; Buch II); 3) f. 20r: Parzival auf Hirschjagd (117,7; Buch III); 4) f. 21r: Parzivals Begegnung mit den drei Rittern (120,25; Buch III); 5) f. 23r: Parzival überfällt Jeschute (129,5; Buch III); 6) f. 28v: Parzival tötet Ither (154,27; Buch III); 7) f. 29v: Parzival legt Ithers Rüstung an (158,1; Buch III); 8) f. 38r: Parzival besiegt Kingrun (199,29; Buch IV); 9) f. 40v: Parzival besiegt Clamide (211,10; Buch IV); 10) f. 47r: Parzival vor der Gralburg (242,9; Buch V); 11) f. 47v: Tischszene in der Gralburg (242,9; Buch V); 12) f. 52v: Parzival besiegt Orilus (265,27; Buch V); 13) f. 56r: Blutstropfenszene (282,9; Buch VI); 14) f. 57v: Keie schlägt Parzival an den Helm (293,19; Buch VI); 15) f. 58r: Parzival besiegt Keie (295,9; Buch VI); 16) f. 59v: Gawan verdeckt die Blutstropfen (300,27; Buch VI); 17) f. 60v: Parzival und Gawan reiten zum Artushof (305,3; Buch VI); 18) f. 61v: Artus und Ginover mit Gefolge (308,11; Buch VI); 19) f. 62r: Artus und Ginover empfangen Parzival (308,11; Buch VI); 20) f. 63v: Artus im Gespräch mit Parzival (314,19; Buch VI); 21) f. 118r: Gawan auf dem Wunderbett (573,1; Buch XI); 22) f. 118v: Gawan liegt auf dem getöteten Löwen (573,1; Buch XI); 23) f. 126r: Gawan bricht den Zweig im Garten des Königs Gramoflanz (604,22; Buch XII); 24) f. 128r: Orgeluse und Gawan versöhnen sich (611,19; Buch XII); 25) f. 156v: Parzival kämpft mit Feirefiz (740,3; Buch XV); 26) f. 158v: Parzival und Feirefiz erkennen sich (746,12; Buch XV); 27) f. 165v: Parzival und Kundrie (786,1; Buch XV); 28) f. 166v: Parzival und Begleiter auf dem Weg zur Gralburg (788,1; Buch XVI).
Spätere Zusätze:Verschiedene wenig spätere Textkorrekturen (15./16. Jh.) ab f. 117va, bes. f. 129va–134va.
f. Ir Einträge und Federproben (15./16. Jh.), darunter der Namenszug Jörg Friburgers und Kaufnotiz (s. oben Provenienz) sowie der Namenszug 'petter louer' (unbekannt, ein späterer Besitzer?).
f. 179v Eintrag (16. Jh., eines/einer späteren Besitzers/Besitzerin?) 'dorri hübi diese ist si diser buoch ... das buoch ist kourrich hüb… hübsce … (?)'; vgl. auch f. 180v 'das buoch schuol (?)' sowie auf dem hinteren Spiegelblatt den Spruch 'ich lid midend und swig' und eine gezeichnete Krone, darunter die Buchstaben 'M | HGVSM | SAH' (Devise?).

Weitere Angaben

Person:betr. Inhalt: Guilelmus Arvernus (ca. 1180-1249)
betr. Schreiber: Steinhein, Johannes (fl. 1467)
betr. Vorbesitzer: Louer, Peter (15./16. Jh.)
Bibliographie:Benziger (1914); S. 6–20, 44–47, Anhang 1–23 (Bilder)
Bonath (1971); S. 219–223
Bürger (2002); S 16–27, 125–131
Handschriftencensus Bern (Internet); http://www.handschriftencensus.de/3959
Hartl (1952); S. LIII–LIV
Lindt (1964)
Meyer (2015)
Ohlendorf (2017); S. 33–37, 135–178, 290–296
Passepartout 1 (2009); S. 26-33
Scarpatetti (1983); Textbd. S. 15 (Nr. 31); Tafelbd. Abb. 455
Schirok (1985); S. 6, 154–181
Schirok (2011); Bd. 1, S. 341–345 sowie Bd. 2, S. 1394 (Abb. 9)
Stephan-Chlustin (2004); S. 187–259, 269–270
Stolz (2009); S. 6–72
Stolz (2020); S. 273-361
Stolz/Viehhauser (2006); S. 337–344, 349–351
 

Descriptors

Entries:  Guilelmus Arvernus (ca. 1180-1249) (Personen\Natürliche Personen\G)
  Louer, Peter (15./16. Jh.) (Personen\Natürliche Personen\L)
  Steinhein, Johannes (fl. 1467) (Personen\Natürliche Personen\St)
  Lindt (1964) (Bibliographie/Nachschlagewerke\L)
  Bürger (2002) (Bibliographie/Nachschlagewerke\B)
  Hartl (1952) (Bibliographie/Nachschlagewerke\H)
  Schirok (2011) (Bibliographie/Nachschlagewerke\Sch)
  Meyer (2015) (Bibliographie/Nachschlagewerke\M)
  Stephan-Chlustin (2004) (Bibliographie/Nachschlagewerke\St)
  Stolz/Viehhauser (2006) (Bibliographie/Nachschlagewerke\St)
  Schirok (1985) (Bibliographie/Nachschlagewerke\Sch)
  Bonath (1971) (Bibliographie/Nachschlagewerke\B)
  Scarpatetti (1983) (Bibliographie/Nachschlagewerke\S)
  Handschriftencensus Bern (Internet) (Bibliographie/Nachschlagewerke\H)
  Ohlendorf (2017) (Bibliographie/Nachschlagewerke\O)
  Stolz (2009) (Bibliographie/Nachschlagewerke\St)
  Benziger (1914) (Bibliographie/Nachschlagewerke\B)
  Stolz (2020) (Bibliographie/Nachschlagewerke\St)
  Passepartout 1 (2009) (Bibliographie/Nachschlagewerke\P)
 

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