FA von Muralt Familienarchiv von Muralt, 1436-20. Jh. (Bestand)

Archivplan-Kontext


Signatur:FA von Muralt
Titel:Familienarchiv von Muralt
Entstehungszeitraum:1436 - 20. Jh.
Bestandesgeschichte / Charakterisierung:Zur Geschichte der Familie
Das Geschlecht der von Muralt stammt aus dem Tessin. Sie nannten sich anfänglich de Muralti, Muralti, Muralto, später Muralt und von Muralt.
Der Berner Zweig geht auf den Juristen Martino Muralto (ca. 1521–1566) zurück. Der Vorsteher der evangelischen Gemeinde von Locarno zog 1555 nach Zürich, um dem neuen Glauben nicht abschwören zu müssen. Sein Sohn Hans Ludwig (1546–1606) bildete sich in Bern zum Wundarzt aus und heiratete 1567 seine Patientin Maria von Mülinen, Tochter des Berner Schultheissen Beat Ludwig von Mülinen. 1570 erfolgte die Aufnahme ins Berner Burgerrecht; die Familie gehört der Gesellschaft zu Ober-Gerwern an.
Der Zürcher Zweig geht auf den Arzt Johannes, ab 1566 Bürger von Zürich, zurück. Teile der Familie verblieben im Tessin und standen in Kontakt oder auch in Konflikt mit Nachfahren aus dem Berner wie dem Zürcher Zweig.
1593 begann die politische Beteiligung der von Muralt in Bern. Zunächst mit einem Vertreter im Grossen Rat. Von 1684 bis 1798 waren die von Muralt ohne Unterbrechung im Kleinen Rat vertreten; die Familie stellte auch einige Seckelmeister. Sie gehörten im 18. Jahrhundert zur zweithöchsten Klasse der «edelfesten» Geschlechter. Sie erwarben Grundbesitz und Gerichtsherrschaften in Bern und in der Waadt. Wie für die Zeit üblich, traten zahlreiche männliche Angehörige in den Solddienst ein. Auch im 19. und 20. Jahrhundert waren die von Muralt in Politik und Wissenschaft gut vertreten.

Bestandesanalyse
Der grösste Teil der Unterlagen dokumentiert die Geschichte des Berner Zweigs. Es sind jedoch auch Unterlagen zum Zürcher Zweig sowie zum Tessiner Teil zu finden, meist mit Bezug zum Berner Zweig oder aus der Zeit vor der Flucht und Trennung.
Das Archiv der Familie von Muralt beinhaltet genealogisches Material, wie Stammbäume und Abschriften von familienbezogenen Unterlagen aus verschiedenen Archiven, sowie Unterlagen zum 1681 gestifteten Familienfonds beider Zweige. Während die Familienstiftung von Muralt von Zürich bis heute existiert, erlosch mit dem (in der Schweiz lebenden) Berner Zweig auch deren Familienkiste im Jahr 1957. Bis heute gibt es einen in den Niederlanden lebenden Zweig, der auf die Berner von Muralt zurückgeht und nach wie vor auf Ober-Gerwern zünftig ist. Zur Komplettierung der Unterlagen zur Kiste und den Verträgen rund um das Multengut in Muri ist zudem das Familienarchiv von Muralt A beizuziehen.
Den bedeutendsten Teil machen die Unterlagen zu einzelnen Angehörigen der Familie aus. Hier finden sich persönliche Papiere sowie Unterlagen zur beruflichen und amtlichen Tätigkeit der Mitglieder. In dieser schriftlichen Überlieferung findet die weitverzweigte Familie ihr Abbild. Die Dokumente reichen von holländischen Universitätszeugnissen aus dem 17. Jahrhundert über Passierscheine und militärische Beförderungen aus den Niederlanden, Österreich, Bayern, Sizilien und Frankreich bis hin zu einem Erbschaftsstreit eines niederländischen Teils der Familie. Einblick in die lokale Geschichte geben zum Beispiel Handwerkerrechnungen zu Umbauten an einzelnen Liegenschaften, namentlich dem Landvogtsitz Gottstatt (FA von Muralt 65) oder Verträge und Pläne zum Multengut (FA von Muralt 174–178, 233–237). Auch die Tätigkeit verschiedener Personen, die Ämter eines Landvogts respektive des Deutsch- oder Welsch-Seckelmeisters bekleideten, ist gut dokumentiert; z.B. Johann Bernhard von Muralt (1634–1710) oder Wilhelm Bernhard von Muralt (1737–1796). Für die jüngere Zeit ist der Nachlass des politisch auf verschiedenen Ebenen tätigen späteren Burgerratspräsidenten Amédée von Muralt (1829–1909) hervorzuheben, der sich wie bei Wilhelm Bernhard von Muralt mit dem entsprechenden Teilbestand im Familienarchiv von Muralt A ergänzen lässt.
Auch von verschwägerten Familienangehörigen haben sich Dokumente überliefert, wobei jene des Peter Ludwig von Tavel (1754–1830), Herr zu Moosseedorf und Hofwyl zu erwähnen sind. Es sind nicht nur Unterlagen zur Herrschaft und zu Umbauarbeiten überliefert, sondern auch der Verkauf des später umbenannten Hofwyls an Philipp Emanuel Fellenberg (1771–1844).
Bestandesgeschichte
Der grösste Teil des Familienarchivs gelangte 1953 als Depot an die Burgerbibliothek Bern. Weitere Ablieferungen fanden 1974 und 2005 Eingang in diesen Bestand. Die jüngsten Ablieferungen von 2024 und 2025, hauptsächlich Unterlagen die Berner Familienkiste betreffend, sind noch nicht erschlossen. Daneben gibt es das Familienarchiv von Muralt A (FA von Muralt A), das sich aus Schenkungen zusammensetzt.
Für die Geschichte des Zürcher Zweigs sei auf das entsprechende Familienarchiv im Staatsarchiv Zürich verwiesen. Hingegen sind Dokumente aus der Zeit vor 1555, die die Muralt und die mit ihnen verschwägerten Orelli betreffen, im Stadtarchiv Zürich zu finden. Die Ablieferung von 1953 wurde von Amédée von Muralt geordnet und mit ausführlichen genealogischen Notizen und Abschriften zur Familiengeschichte aus verschiedenen Archiven von seiner Hand angereichert.

Erschliessung
Die jetzige Ordnung folgt der Standardstruktur sowie den Erschliessungsvorgaben für Familienarchive der BBB. So wurde namentlich die Korrespondenz in der Regel nach Provenienzprinzip und somit dem jeweiligen Empfänger oder der Empfängerin zugeordnet. Über den Personendeskriptor lassen sich auch die Absenderinnen und Absender ebenfalls finden. Die bisherige Ordnung ist anhand des Verweises auf die Signaturen des alten Archivverzeichnisses (FA von Muralt 216), die im Feld «Alte Signatur» festgehalten sind, nachvollziehbar.
Die Dossiers, die ausschliesslich den Berner Zweig betreffen, sind im Titel nicht näher gekennzeichnet. Sind die enthaltenen Unterlagen jedoch (auch) dem Zürcher Zweig oder der gemeinsamen Vorgeschichte zuzuordnen, ist dies im Titel mit einem entsprechenden Hinweis und über den entsprechenden Familiendeskriptor vermerkt.
Dank der Neuerschliessung liegt nun eine detailliertere Verzeichnung vor. Diese lässt nicht nur weitere männliche Familienmitglieder, sondern auch die bisher unerwähnten weiblichen Angehörigen sichtbar werden. Die hierarchische Erschliessung ermöglicht eine bessere Übersicht, und die höhere Erschliessungstiefe vermag, je nach Überlieferung, die Biografien einzelner Personen zu skizzieren.

Bern, Februar 2025
Simone Desiderato, Archivgut Desiderato Kauz GmbH
Umfang:2,6 Laufmeter
Link:Website

Bestandesbeschreibung

Person:Bestandsbildner / Bestandsbildnerin: Muralt von (Familie); Burger von Bern, Ober-Gerwern, 1570
Bibliographie:Meyer (1916)
Muralt, Eduard von (1855)
Rechtsform:Natürliche Person
Erschliessungsgrad:Detailliert
Findmittel-Form:Digital
Findmittel-Qualität:Vollinventar
Stufe:Bestand

Persistent Identifiers (PIDs)

ARK:https://ark.burgerbib.ch/ark:36599/crc2m8pbzjw
 

Deskriptoren

Einträge:  Muralt von (Familie); Burger von Bern, Ober-Gerwern, 1570 (Personen\Natürliche Personen\M)
  Meyer (1916) (Bibliographie/Nachschlagewerke\M)
  Muralt, Eduard von (1855) (Bibliographie/Nachschlagewerke\M)
 

Behältnisse

Anzahl:3
 

Benutzung

Erforderliche Bewilligung:Keine
Physische Benützbarkeit:Uneingeschränkt
Zugänglichkeit:Öffentlich
 

URL für diese Verz.-Einheit

URL:https://katalog.burgerbib.ch/detail.aspx?ID=121622
 

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