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FA von Lerber Familienarchiv von Lerber, 1437-2023 (Bestand)
Signatur: | FA von Lerber |
Titel: | Familienarchiv von Lerber |
Entstehungszeitraum: | 1437 - 2023 |
Bestandesgeschichte / Charakterisierung: | Zur Geschichte der Familie Das Geschlecht der von Lerber, die sich in den Anfängen auch Lerower oder Lerwer schrieben, geht zurück auf den aus Solothurn zugewanderten Tuchscherer Urs (verstorben 1620), der 1560 das Berner Burgrecht erhielt und 1588 in den Grossen Rat gewählt wurde. Seine drei Söhne waren ebenfalls Grossräte, dem Sohn Daniel (1569-1648) gelang bereits der Sprung in den Kleinen Rat. Die drei Söhne begründeten die drei Hauptlinien der regimentsfähigen Familie, die das Prädikat 'von' ab dem Jahr 1795 trug. Während die ältere und die jüngere Linie bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts respektive zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausstarben, hat die auf Webern zünftige mittlere Linie noch heute Bestand; sie geht auf Franz Rudolf (1757-1822), Oberamtmann in Aarwangen, zurück. Zahlreiche Mitglieder der Familie von Lerber bekleideten Ämter im Berner Regiment; auch nach dem Ende des Ancien Régime betätigten sich verschiedene Angehörige in öffentlichen Ämtern und der Politik. Die Vertreter der nächsten Generationen wurden mehrheitlich Mediziner, Kaufleute, Pädagogen und Pädagoginnen oder Pfarrer.
Bestandesanalyse Das Archiv der Familie von Lerber umfasst zahlreiches genealogisches Material in Form von Stammbüchern und Stammbäumen sowie von beglaubigten Urkundenabschriften und -auszügen. Die Geschichte der in den Jahren 1741 bis 1849 unterhaltenen Familienkiste ist, wenn auch nicht mit Protokollen, so doch in Form von Reglementen und Rechnungen für gewisse Zeiträume dokumentiert. Den grössten Teil des Familienarchivs machen Dokumente und Fotografien aus dem 19. Jahrhundert bis in das zweite Drittel des 20. Jahrhunderts verschiedener männlicher und weiblicher Angehöriger der Familie und angeheirateter Familien aus. Abgesehen von einer mittelalterlichen Urkunde, in welcher ein Hermann Lerower als Vertreter der Stadt Solothurn erwähnt wird und die wohl aufgrund dieser Nennung in späterer Zeit zu Dokumentationszwecken angeschafft und dem Archiv einverleibt wurde, beginnt die Überlieferung mit Unterlagen aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Der Grossteil der Überlieferung nimmt ihren Anfang jedoch gegen Ende des 18. Jahrhunderts mit dem Nachlass von Franz Rudolf (1757-1822), dem Begründer der teilweise bis heute existierenden drei Äste. Der erste Ast des Sohnes Franz Friedrich (1782-1837) wird nur mit Unterlagen von demselben repräsentiert; beim zweiten Ast des Karl Anton (1784-1837) reichen die Zeugnisse immerhin bis zu dessen Sohn Moritz (1811-1895), der in Romainmôtier eine Fabrik betrieb und sich für Pyrotechnik interessierte. Der auf Beat Rudolf (1788-1849) zurückgehende jüngste Ast ist am besten dokumentiert; durch dessen Vertreter und Vertreterinnen produzierte Unterlagen reichen bis ins 21. Jahrhundert. Neben den für Familienarchive üblichen persönlichen Papieren sowie den Unterlagen zur beruflichen und amtlichen Tätigkeit der Mitglieder ist für das Familienarchiv von Lerber nebst umfangreicher Korrespondenz mehrerer Generationen eine grössere Anzahl an autobiografischem Material (Hausbücher, Reise-/Tagebücher, Kalender, Aufzeichnungen) sowie Fotomaterial hervorzuheben. Besondere Erwähnung verdienen die Nachlässe von Franz Rudolf und seinen ebenfalls bereits erwähnten zwei jüngeren Söhnen Karl Anton und Beat Rudolf. Franz Rudolf sass vor 1798 bereits im Grossen Rat und bekleidete bis in die Restauration öffentliche Ämter und sass in verschiedenen Ratsgremien. Von seiner Tätigkeit als Präsident des Kantonsgerichts und als Appellationsrichter zeugen u.a. Gerichtsakten; aus seiner Zeit als Oberamtmann in Aarwangen haben sich u.a. Korrespondenz und Rechnungen erhalten. Ansonsten sind vor allem Rechnungen zu seinem privaten Haushalt und Dokumente zu seinen Geschäften mit ausländischen Wertpapieren vorhanden. Anders als der reaktionäre Vater wandten sich die Söhne dem liberalen Lager zu. Karl Antons Tätigkeit als Berner Schultheiss während der Regeneration beleuchten u.a. Entwürfe für die Kantonsverfassung, amtliche Korrespondenz und Reden. Aber auch sein gemeinnütziges Engagement im Zusammenhang mit der Brandversicherungsanstalt oder dem Bau der Nydeggbrücke lässt sich nachzeichnen. Über seine Heirat mit der einzigen Tochter des helvetischen Direktors Maurice Glayre gelangten auch vereinzelte Papiere dieser Provenienz ins Lerbersche Archiv. Karl Antons jüngerer Bruder Beat Rudolf, der sich nach dem Rechtsstudium, den Sprachwissenschaften, der Geschichte und dem Bibelstudium verschrieb, sass auch für kurze Zeit im Grossrat; er publizierte zahlreiche Werke zu politischen, religiösen und literarischen Themen, die einen Teil seines Nachlasses bilden. Im Jahr 1825 bezog er mit Frau und Kindern das neu erworbene Gut Sulgeneck. Aufgrund seiner liberalen Haltung, die einherging mit einer pietistischen Weltanschauung, musste er jedoch zweimal in die Verbannung. Der Erweckungsbewegung verbunden gründete er 1826 die 'Gesellschaft der Rechtsgläubigkeit', als deren Sekretär er waltete, wovon ein Protokollband zeugt. Im Jahr 1831 war er Mitgründer der Evangelischen Gesellschaft in Bern. Die überlieferte Korrespondenz ist fast ausnahmslos im familiären Kreis zu verorten. Seiner Ehe mit Sophie Hartmann (1796-1871) entsprangen sechs Kinder. Von den Töchtern hat sich hauptsächlich Korrespondenz erhalten, von der ledig gebliebenen Jenny (1825-1899), die auf der Sulgeneck eine Sonntagsschule betrieb und eine Mägdebildungsanstalt gründete, auch (auto-)biografische Schriften. Der grösste Nachlass stammt aber vom ältesten Sohn Theodor von Lerber (1823-1901). Dessen beruflicher Werdegang lässt sich beginnend mit dem Studium der Philologie und der Philosophie, seiner ersten Anstellung am Gymnasium in Bern (aus dem er wegen seiner pietistischen Anschauung entlassen wurde) über seine Mithilfe beim Aufbau des evangelischen Seminars Muristalden bis hin zur Gründung seiner nach ihm benannten Lerberschule 1859 nachzeichnen. Diese Knabenschule (nach seinem Rücktritt ‘Freies Gymnasium’) leitete er bis 1892 als Direktor. Seine Streitschriften für eine wortgetreue Auslegung der Bibel und zugunsten einer starken Gewichtung des Religionsunterrichts lassen ihn genauso als streitbaren Geist erscheinen wie die Dokumente um seinen Rücktritt als Schulleiter und um seinen Austritt aus der Evangelischen Gesellschaft. Weitere Unterlagen bezeugen sein Engagement für christliche Jünglingsvereine. Mit den überlieferten Tagebüchern, die sich über eine Zeitspanne von 50 Jahren erstrecken, und einer umfangreichen Korrespondenz ist viel Autobiografisches vorhanden. Dies gilt auch für seine Frau Ida, geb. Gruner (1830-1893). Das Leben der Söhne Eduard (1853-1906), Arthur (1854-1909), Theodor (1861-1931) und Alfred (1868-1949) ist ebenfalls dokumentiert, wobei sich vor allem zu Eduard, Missionssekretär in Basel und späterem Privatlehrer in Lausanne, und dessen Frau Helena Thormann (1856-1937), sowie zum Pfarrer in Trubschachen Theodor und dessen Frau Helene Landis (1865-1942) vielfältiges Material erhalten hat. Theodors Tätigkeit als Pfarrer hat sich im Nachlass in Form von Predigten und Berichten zum religiösen und sozialen Leben in Trubschachen niedergeschlagen. Auch finden sich Unterlagen zur Finanzierung des Baus einer eigenen Kirche in Trubschachen, den er initiiert hatte. Das berufliche Leben des älteren Bruders Eduard war dagegen häufig von Ungewissheit geprägt und finanzielle Probleme plagten das Paar Lerber-Thormann. Aus der Ehe des Pfarrers Theodor mit Helene Landis gingen vier Töchter und ein Sohn hervor. Tochter Helene von Lerber (1896-1963) studierte in Bern, Heidelberg und Paris neue Sprachen, promovierte 1923. Nach Erlangung des Gymnasiallehrerpatentes 1926 bis zu ihrer Pensionierung unterrichtete sie zunächst am Freien Gymnasium. Seit 1928 war sie an der Neuen Mädchenschule, hauptsächlich an den Seminarklassen tätig, wovon Unterrichtsmaterial erhalten geblieben ist. Manuskripte veröffentlichter und unveröffentlichter Werke belegen ihre lebenslange schriftstellerische Tätigkeit seit Kindheitstagen, teils unter dem Pseudonym Silvestra (auf ihren Geburtstag Bezug nehmend) oder H. Manther. Für ihr künstlerisches Schaffen, das stark christlich-religiös geprägt war, wurde ihr zweimal der Literaturpreis der Stadt Bern verliehen. Abgesehen von einer grösseren Zahl Ansichtskarten, Korrespondenz mit ihren Eltern und vereinzelten Briefen wurde (gemäss Mitteilung anlässlich einer Ablieferung) der sorgsam geordnete Briefnachlass nach ihrem Tod von den Schwestern Helenes verbrannt. Die für den langen Zeitraum von 1905 bis 1962 geführten Tagebücher dürften diesen Verlust wenigstens teilweise kompensieren. Während Helenes drei Schwestern, später alle mit Pfarrern verheiratet, vor allem in Kinderbriefen und Fotografien aufscheinen, beinhaltet der Nachlass von Bruder Theodor 'Thedi' (1905-1977) unter anderem Unterlagen zu seiner Ausbildung und beruflichen Tätigkeit als Arzt, etwa am Lungensanatorium Braunwald. Auch die Manuskripte von gehaltenen Vorträgen bezeugen das Interesse an der Behandlung von Tuberkulose. Vorträge, in denen er medizinische mit religiösen Fragen verband, verweisen wie bei seiner Schwester Helene auf ein stark christlich geprägtes Elternhaus. Von den weiteren im Familienarchiv vertretenen Familien sind einerseits die Gruners, Inhaber der Papierfabrik Worblaufen, zu nennen. Mit diesen bestanden im 19. Jahrhundert mehrfache Allianzen. Andererseits bestand über die Heirat des Pfarrers Theodor mit Helene Landis eine Verbindung mit der aus Richterswil stammenden Zürcher Industriellenfamilie Landis, von der hauptsächlich Fotografien ins Archiv gelangt sind.
Bestandesgeschichte und Erschliessung Das Familienarchiv von Lerber gelangte seit 1961 in zahlreichen Ablieferungen, hauptsächlich von Angehörigen respektive Nachfahren der Familien von Lerber und Gruner, grösstenteils zunächst als Deposita, später als Geschenke und weniges über Ankauf an die Burgerbibliothek Bern. Anlässlich der Überführung eines anderen seit 1961 im Staatsarchiv des Kantons Bern deponierten Teilbestands wurde das Archiv 2011 als Ganzes in eine Schenkung umgewandelt. Nachdem die Familienkiste von Lerber im Jahr 1849 aufgelöst und das Vermögen bis auf wenige Ausnahmen an deren Mitglieder verteilt worden war, unterhielt die Familie ein Geschlechtsarchiv von Lerber, über welches 1861 ein Verzeichnis erstellt wurde (FA von Lerber 525) von Karl Ludwig von Lerber (1830-1896), dem Herausgeber der Sammlung von Lerberurkunden ‘Geschichtliche Belege über das Geschlecht [...]’ von 1873 (FA von Lerber 1011); bei dieser Gelegenheit wurden die verzeichneten Unterlagen abgestempelt. Das Archiv wurde noch vor 1887 aufgelöst und an verschiedene Familienangehörige verteilt.
Ein Teil des 1961 der Burgerbibliothek Bern übergebenen Depositums wurde in den 1970er Jahren grob nach Personen geordnet und signiert. Diese alte Signierung ist nicht übernommen worden, lässt sich aber über das Feld 'Alte Signaturen' nachvollziehen.
Ariane Huber Januar und September 2024 |
Umfang: | 15 Laufmeter |
Bestandesbeschreibung |
Person: | Bestandsbildner / Bestandsbildnerin: Lerber von (Familie); Burger von Bern, Webern, 1560 |
Bibliographie: | Lerber (1873) |
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Rechtsform: | Natürliche Person |
Erschliessungsgrad: | Detailliert |
Findmittel-Form: | Digital |
Findmittel-Qualität: | Vollinventar |
Stufe: | Bestand |
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Deskriptoren |
Einträge: | Lerber von (Familie); Burger von Bern, Webern, 1560 (Personen\Natürliche Personen\L) |
| Lerber (1873) (Bibliographie/Nachschlagewerke\L) |
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Behältnisse |
Anzahl: | 7 |
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Benutzung |
Erforderliche Bewilligung: | Keine |
Physische Benützbarkeit: | Uneingeschränkt |
Zugänglichkeit: | Öffentlich |
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URL für diese Verz.-Einheit |
URL: | https://katalog.burgerbib.ch/detail.aspx?ID=124088 |
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