Cod. 366 (A) Valerius Maximus: Facta et dicta memorabilia, cum exemplis e Iulio Paride et fragmentis, lat., 0801 (ca.)-0866 (ca.) (Codex Produktionseinheit)

Archive plan context


Identifikation sachlich

Ref. code:Cod. 366 (A)
Title:Valerius Maximus: Facta et dicta memorabilia, cum exemplis e Iulio Paride et fragmentis, lat.
Contains also:Valerius Maximus: Facta et dicta memorabilia, cum exemplis e Iulio Paride et fragmentis, lat.
Blattzählung:Moderne Foliierung: I–III, 1–159, IV, jeweils auf dem recto oben rechts.
Format:22,5–23,5 x 20,5–21 cm
Language:Latein
Comments:Der Berner Codex, mit Sigle A, ist eine der ältesten und berühmtesten überlieferten Texthandschriften des Valerius Maximus. Die Exempla sowie die Notiz auf den alten „Vorsatzblättern“ (f. II–III, wahrscheinlich Reste vom Ende des ursprünglichen Codex) sind von Lupus geschrieben, der auch den Haupttext mehrfach kollationiert hat und Zusätze (f. 158va–159r) aus der Paralleltradition des Iulius Probus (adbreviator von Valerius Maximus) und dessen Begleittext (Gaius Titius Probus, De praenominibus) am Ende hinzugefügt hat.

Buchblock

Creation date(s):approx. 0801 - approx. 0866
Creation date(s), scattered dates:2. Drittel 9. Jh. (Bischoff 1998, Munk Olsen 2003); aus paläographischen Gründen vielleicht 9. Jh. 1. Drittel (ge/2006).
Entstehungsort:Frankreich (mittleres Loire-Gebiet): Abtei Ferrières OSB (Bischoff 1998, Schnetz 1901, u.a.); vermutet wurde auch Fleury (Traube, u.a.), jedoch ohne stichhaltige Begründung.
Material / Beschreibstoffe:Pergament
Material / Beschreibstoff Anm.:Schönes Pergament, bisweilen unregelmässig beschnitten (alt).
Lagen:(IV+3){I, II–III, 8} [das alte Vorsatzblatt I ist um die erste Lage gelegt, die rechte Hälfte ist weggeschnitten; das kleine Fragment des sehr stark verstümmelten Doppelblattes II–III ist vor f. 1 eingeheftet] + 18 IV{152} + (IV-1+1){159, IV} [nach f. 158 ist die rechte Hälfte des zweitäussersten Doppelblattes weggeschnitten; von f. 159 fehlen die äusseren zwei Drittel; das alte Nachsatzblatt IV ist um die letzte Lage gelegt, die linke Hälfte ist weggeschnitten]. Lagensignaturen: Mit Tinte signiert ist nur die dritte Lage (Kustode III, f. 24v unten); die weiteren Lagen sind, oft kaum erkennbar, mit einem harten Gegenstand blind signiert (IIII–XVIII [f. 144v]). – Die Doppelblätter 75/78 und 74/79 sind nach dem Restaurieren in dieser Reihenfolge vertauscht eingebunden worden.
Seiteneinrichtung:Zweispaltig, Schriftspiegel 14–14,5 x 13,5–14 (5,5–6) cm, 24 Zeilen, Blindlinierung im „old style“. Die Anlage des Codex erinnert an Lupus’ eigenhändig geschriebenes Exemplar von Ciceros De oratore (London, British Library, Harley 2736). Dem Anschein nach wurde f. 159r ursprünglich dreispaltig konzipiert. (Die seltene dreispaltige Anlage erinnert an die von Lupus‘ Schüler Heiric von Auxerre in Ferrières beschrifteten Zusätze am Ende des Priscianus-Codex, Paris, BnF, lat. 7496, f. 246v, 249r–v.)
Schrift / Schreiber:Schrift: Karolingische Minuskel; Titel und Überschriften in Rustica, gelegentlich in Unziale (z.B. f. 51rb, 54rb), Initialen verschiedentlich in Inschriftencapitalis; einige griechische Texte eingesprengt (z.B. f. 50rb–va). – Zahlreiche gleichzeitige oder wenig spätere Leserbemerkungen, Glossen und Nota-Zeichen von verschiedenen Händen aus dem 9., 10. (viele) und 11.–13. Jahrhundert.
Der Haupttext des Valerius Maximus wurde von einem kompetenten Schreiber zum allergrössten Teil ausgeführt, doch arbeitete er vom Anfang an zusammen mit Lupus von Ferrières, der Auszeichnungs- und Gliederungstexte als erster Schreiber (z.B., f. 18rb, 158rb) sowie als Korrektor (auf oft fast unbemerkbaren Rasuren, z.B. f. 1ra) angebracht hat. Die Auszeichnungsschrift des Hauptschreibers, wie seine sonstige Leistung, ist indes sehr gepflegt; besondere ästhetische oder inhaltliche Kriterien (auch klare Gliederung) dürften eine Rolle gespielt haben, wo Lupus nachgebessert hat. Lupus hat den Haupttext inhaltlich ausgebessert, indem er Auslassungen am Rand durch seine üblichen Verweiszeichen angefügt und auch längere Textabschnitte auf sehr sauberen Rasuren neu geschrieben hat (bis hin zu einer ganzen Spalte, f. 123ra). Hier wie sonst für Lupus ist bezeichnend, dass er keine beliebigen Eingriffe in den Text gemacht hat, sondern sich nur an herangezogene Parallalexemplare hielt (mit Ausnahme von Lesevorschlägen, die wiederholt mit vel oder fortasse, als f., angefügt sind). Er bezeichnete diese Quellen als vetustus (u.) und antiquus (A.), wo es um ein Exemplar, oder vielleicht mehr als ein Exemplar, des Valerius Maximus im engeren Sinne ging. Er hat auch eine Abkürzung dieses Textes durch Iulius Paris sowie ein diese Epitoma begleitendes grammatisches Werkchen von C. Titius Probus herangezogen. Diese Quellen verwertete Lupus für seine Korrektur und gab sie auch explizit durch verschiedene Kürzel an: BR (breviator), ADB (adbreviator), I.P., C.T., C. Titus t(itulo ?). Die Bedeutung einiger als Quellenkürzel erscheinenden Initialen (z.B. m., g.) ist allerdings nicht klar. Lupus hat auch eigenhändig Auszüge bzw. den Volltext von Elementen der Iulius Paris-Überlieferung seinem Text von Valerius Maximus anbringen wollen und erscheint so als Textschreiber bei f. II–III, 158v–159r. Die Hand und Tätigkeit des Lupus darf in diesen Fällen als gesichert gelten. Wir erkennen die Schrift wieder in zwei von ihm unterschriebenen und im Original erhaltenen Synodalurkunden von 861 und 862. Die Methode des Umgangs mit dem Text und Quellen darf als wissenschaftlich bezeichnet werden und übersteigt den von C. H. Beeson (1930) beschriebenen Befund in Lupus’ Codex von Ciceros De oratore (London, Harley, 2736). Einen Überblick der paläographischen Merkmale findet man auch bei Steffens (1909), Taf. 60, und Bischoff (1998), S. 125 (Nr. 586).
Ausstattung / Buchschmuck:Nicht rubriziert, gegliedert und geschmückt nur mittels Schriften. Es gibt verschnörkelte Kürzungsstriche bei den von Lupus geschriebenen (oder neu geschriebenen) Auszeichnungstexten (in Rustica). Diese Art von verschnörkelten Strichen bildet die Basis einer diskreten Ausschmückung anderswo in auch paläographisch verwandten Handschriften (z.B., BAV, Vat. lat. 4929, auch mit Iulius Paris; El Escorial M.III.14 und O.III.31). Eine Art Perlenkettchen wird von Lupus selber angewendet, um die von ihm geschriebenen Textabschnitte zu gliedern (f. 158rb, sehr beschädigt am unteren Rand; f. 159r); ähnliches findet man auch anderswo (z.B., BAV, Vat. lat. 4929).

Weitere Angaben

Person:betr. Schreiber: Lupus Ferrariensis (ca. 805-862)
Bibliographie:Bischoff (1998); S. 125 (Nr. 586)
Briscoe (1998); S. XI–XIV
Chatelain (1900a); S. 24 und Taf. 181
Halm (1865b); S. IV–VII
Kempf (1888); S. XII–XV
Mostert (1989); S. 75 (Nr. 175)
Munk Olsen (1982-87); Bd. 2. (1985), S. 661–662, und Bd. III,1 (1987), S. 308
Ricciardi (2005); S. 53
Russo (1996); S. 120–121, 293–301, 429, 432–433, 452
Schnetz (1901)
Schullian (1960); S. 83
Schullian (1981); S. 698
Steffens (1909); Taf. 60
Stirnemann (1999); S. 64 (Nr. 30)
 

Descriptors

Entries:  Lupus Ferrariensis (ca. 805-862) (Personen\Natürliche Personen\L)
  Bischoff (1998) (Bibliographie/Nachschlagewerke\B)
  Briscoe (1998) (Bibliographie/Nachschlagewerke\B)
  Chatelain (1900a) (Bibliographie/Nachschlagewerke\C)
  Halm (1865b) (Bibliographie/Nachschlagewerke\H)
  Kempf (1888) (Bibliographie/Nachschlagewerke\K)
  Mostert (1989) (Bibliographie/Nachschlagewerke\M)
  Munk Olsen (1982-87) (Bibliographie/Nachschlagewerke\M)
  Ricciardi (2005) (Bibliographie/Nachschlagewerke\R)
  Russo (1996) (Bibliographie/Nachschlagewerke\R)
  Schnetz (1901) (Bibliographie/Nachschlagewerke\Sch)
  Schullian (1960) (Bibliographie/Nachschlagewerke\Sch)
  Schullian (1981) (Bibliographie/Nachschlagewerke\Sch)
  Steffens (1909) (Bibliographie/Nachschlagewerke\St)
  Stirnemann (1999) (Bibliographie/Nachschlagewerke\St)
 

Containers

Number:1
 

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Permission required:Keine
Physical Usability:Uneingeschränkt
Accessibility:Öffentlich
 

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URL: http://katalog.burgerbib.ch/detail.aspx?ID=130678
 

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